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Schadensklassen Unterwasser-Diagnostik

Zwölf Schadensklassen, die wir bei der ROV-gestützten Unterwasser-Diagnostik regelmäßig erfassen — als gemeinsames Vokabular zwischen Betreiber, Ingenieurbüro, Sachverständigem und Behörde. Jede Klasse hat denselben Aufbau: Definition, typische Ursache und drei Dokumentations-Achsen je Befund (visueller Befund, Maßreferenz, Klassifizierungslogik).

Warum ein einheitliches Klassen-Vokabular

Ein Befundbericht ist nur dann anschlussfähig, wenn die Klassen­namen für alle Beteiligten dieselbe Bedeutung haben. „Abplatzung“ und „Materialverlust“ sind keine austausch­baren Begriffe — und „Unterspülung“ ist mehr als ein „Loch unter dem Bauwerk“. Das hier dokumentierte Vokabular bildet die Grundlage unserer Befund-Dossiers und ist im Vorfeld bei jedem Auftrag abstimm­bar, wenn der Auftraggeber ein eigenes Schadens­katalog-System verwendet.

Jeder Befund in unseren Dossiers trägt den jeweiligen Klassen-Code (etwa SCH-AUSK-001) als maschinen­lesbare Referenz. Folge­erhebungen können denselben Befund über mehrere Inspektions­zyklen hinweg verfolgen.

Die zwölf Schadensklassen

SCH-AUSK-001

Auskolkung

Strömungsbedingte Material­ausspülung am Bauwerksfuß oder an der Bauwerks­stirn. Entsteht durch lokale Wirbelbildung an Hindernissen im Strömungsfeld.

Typische Ursache: Hohe Sohlnähe-Strömung an Brücken­pfeilern, Dalben, Spundwand-Köpfen oder Sohl­schwellen — verstärkt durch Hochwasser­ereignisse.

Was wir dokumentieren:

  • Visueller Befund: Form, Tiefe, Erstreckung der Aushöhlung
  • Maßreferenz: Tiefe gegen Bestandssohle, lateral begrenzt
  • Klassifizierungslogik: Vergleich mit Vor-Erhebung, ggf. Strömungs­kontext
SCH-ABPL-001

Abplatzung

Flächige oder muschel­förmige Ablösung der Beton­oberfläche, häufig in Folge von Frost-Tau-Wechseln oder treibendem Geschiebe.

Typische Ursache: Frost-Tau-Beanspruchung, Bewehrungs­korrosion mit Sprengwirkung, Anprall durch Treibgut.

Was wir dokumentieren:

  • Visueller Befund: Fläche, Tiefe, Begrenzung; freiliegende Bewehrung sichtbar oder nicht
  • Maßreferenz: Position bezogen auf Bauwerks­raster oder Konstruktions­fuge
  • Klassifizierungslogik: ggf. Übergang zu Bewehrungs­korrosion (SCH-KORB-001)
SCH-RISS-001

Rissbildung

Linienhafte Trennung im Bauteil­querschnitt — von Haarrissen bis zu strukturell relevanten Trennrissen mit Wasser­einbruch.

Typische Ursache: Schwinden, Last­änderung, Setzung, thermische Bewegung, Konstruktions­mangel.

Was wir dokumentieren:

  • Visueller Befund: Verlauf, Verzweigung, Rissbreite an Vergleichs­punkten
  • Maßreferenz: Länge, Breite, Tiefe (sofern messbar); Position im Bauteil­raster
  • Klassifizierungslogik: Trockenriss, durchgehender Riss mit Wasseraustritt, Setzungs­begleitriss
SCH-KORS-001

Korrosion (Spundwand)

Flächiger oder loch­fraßartiger Material­abtrag an Stahl­spund­wänden — im Wechsel­wasser­bereich häufig am stärksten ausgeprägt.

Typische Ursache: Wechsel­wasserstand, Mikrobiell induzierte Korrosion (MIC), elektro­chemische Effekte in Hafen­becken.

Was wir dokumentieren:

  • Visueller Befund: Korrosions­bild (flächig, lochfraß, narbig); ggf. Durch­brüche
  • Maßreferenz: Reststärke (sofern UT-Messung beauftragt), Lage in der Bohle, Tiefe gegen Wasser­spiegel
  • Klassifizierungslogik: Kategorie nach Auftrags-Schadens­katalog des Betreibers
SCH-KORB-001

Korrosion (Beton-Stahl)

Korrosion der Bewehrung in Stahlbeton-Bauteilen — oft erst sichtbar durch Abplatzungen oder Rost­fahnen an der Beton­oberfläche.

Typische Ursache: Karbonatisierung, Chlorid­eintrag, Riss­bildung mit anschließendem Wasser- und Sauerstoff­zutritt.

Was wir dokumentieren:

  • Visueller Befund: Rost­austritt, Abplatzungs­fläche mit freiliegender Bewehrung
  • Maßreferenz: Position bezogen auf Bauwerks­raster, Bewehrungs­lage soweit erkennbar
  • Klassifizierungslogik: Übergang zu SCH-ABPL-001 dokumentiert
SCH-BIOF-001

Biofouling

Bewuchs durch Algen, Muscheln oder andere Organismen — relevant für die Sicht­prüfung, kann Befunde verdecken und ggf. eigene Schadwirkung entfalten.

Typische Ursache: Stehendes oder strömungs­armes Wasser, nährstoff­reiche Standorte, lange Standzeit zwischen Inspektions­zyklen.

Was wir dokumentieren:

  • Visueller Befund: Bewuchs­dichte, Art (sofern bestimmbar), Fläche
  • Maßreferenz: betroffene Bauwerks­abschnitte mit Position
  • Klassifizierungslogik: rein optisch verdeckend vs. lasterhöhend / schadwirkend
SCH-SEDI-001

Sedimentanlandung

Ablagerung von Schweb­stoffen und Geschiebe an Bauwerks­füßen, in Becken oder Schleusen­kammern — verändert lokale Strömungs- und Last­verhältnisse.

Typische Ursache: Strömungs­wechsel, Hochwasser­ereignisse, fehlende Spül­einrichtungen, Asyme­trie im Becken.

Was wir dokumentieren:

  • Visueller Befund: Mächtigkeit, Erstreckung, Konsistenz (sofern beurteilbar)
  • Maßreferenz: Sediment­oberkante gegen Bestands­geometrie, Vergleichs­ebene
  • Klassifizierungslogik: aktiv anwachsend vs. stabil; Betriebs­relevanz
SCH-SPAL-001

Spaltbildung

Öffnung an Bauteil­fugen oder Anschlüssen — häufig in Folge von Setzungen, thermischer Bewegung oder Material­ermüdung.

Typische Ursache: Setzungs­differenz, Verlust der Fugen­füllung, Material­ermüdung, mechanische Bean­spruchung.

Was wir dokumentieren:

  • Visueller Befund: Klaffung an Fuge, Verlauf, Versatz benachbarter Bauteile
  • Maßreferenz: Spaltbreite an Vergleichs­punkten, Erstreckung längs der Fuge
  • Klassifizierungslogik: trocken vs. mit Wasser­austritt; ruhend vs. arbeitend
SCH-UNTS-001

Unterspülung

Hohlraum­bildung unter Fundamenten, Bauwerks­sohlen oder Leitungs­trassen durch Material­austrag — kann zu Setzung oder Bruch führen.

Typische Ursache: Lokale Strömungs­konzentration, undichte Fugen mit Sediment­austrag, Hochwasser­ereignis.

Was wir dokumentieren:

  • Visueller Befund: Hohlraum, sofern direkt einsehbar; sonst indirekte Hinweise (Setzung)
  • Maßreferenz: Tiefe, lateral­e Erstreckung, Volumen­schätzung
  • Klassifizierungslogik: aktiv vs. stabil; Wechsel­wirkung mit SCH-SETZ-001
SCH-SCHL-001

Schlagbeschädigung

Lokale Verformung oder Material­verlust durch Anprall — typisch durch Treibgut, Schiffs­havarie oder Bauwerks­kontakt.

Typische Ursache: Schiffs­anprall, Treibgut bei Hochwasser, Bauwerks­kontakt durch Arbeits­geräte.

Was wir dokumentieren:

  • Visueller Befund: Verformung, Material­verlust, Begleit­schäden (z. B. Riss)
  • Maßreferenz: Position am Bauwerk, Tiefe der Verformung, Fläche
  • Klassifizierungslogik: einmaliges Ereignis vs. wieder­kehrende Bean­spruchung
SCH-SETZ-001

Setzungsschaden

Geometrische Lage­änderung eines Bauteils oder Bauwerks­abschnitts gegen­über dem Bestand — sichtbar an Klaffungen, Versätzen oder gekippten Bezugs­kanten.

Typische Ursache: Material­austrag im Untergrund, Last­änderung, ungleich­mäßige Boden­verhältnisse.

Was wir dokumentieren:

  • Visueller Befund: Versatz an Bezugs­kanten, Kippung, Begleit­erscheinungen
  • Maßreferenz: Versatzhöhe gegen Vor-Erhebung oder Soll-Geometrie
  • Klassifizierungslogik: aktiv vs. abgeschlossen; Wechsel­wirkung mit SCH-UNTS-001
SCH-MATL-001

Materialverlust

Sammel­kategorie für Volumen­abtrag, der sich keiner spezifischeren Klasse zuordnen lässt — quantifiziert über Vergleich mit Bestands­geometrie oder Vor-Erhebung.

Typische Ursache: Mehrere überlagerte Mechanismen, lange Standzeit ohne Inspektion, unklare Schadens­geschichte.

Was wir dokumentieren:

  • Visueller Befund: Form und Ausdehnung des fehlenden Volumens
  • Maßreferenz: Vergleich mit Bestands­modell oder Vor-Erhebung
  • Klassifizierungslogik: Begründung, warum keine spezifische Klasse passt

Wie diese Klassen ins Befund-Dossier eingehen

Jeder dokumentierte Befund eines Einsatzes trägt im Dossier eine Klassen-Kennung, eine Maßreferenz, eine Positions­angabe gegen Bauwerks­raster oder GNSS-Referenz und eine Klassifizierungs­begründung. Der Auftraggeber kann den Befund über mehrere Inspektions­zyklen verfolgen — die Kennung bleibt stabil, die Maße werden je Folge­erhebung neu erfasst.

Eine anonymisierte Muster-Struktur dieser Dokumentation ist im Beispiel-Dossier auf der Seite Versicherung & Sachverständige einsehbar.

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